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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Uhland

Einkehr

Bei einem Wirte, wundermild,
Da war ich jüngst zu Gaste;
Ein goldner Apfel war sein Schild
An einem langen Aste.
5 Es war der gute Apfelbaum,
Bei dem ich eingekehret;
Mit süßer Kost und frischem Schaum
Hat er mich wohl genähret.
Es kamen in sein grünes Haus
10 Viel leichtbeschwingte Gäste;
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
Und sangen auf das Beste.
Ich fand ein Bett zu süßer Ruh
Auf weichen, grünen Matten;
15 Der Wirt, er deckte selbst mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.
Nun fragt ich nach der Schuldigkeit,
Da schüttelt' er den Wipfel.
Gesegnet sei er allezeit
20 Von der Wurzel bis zum Gipfel!





Entstehungsjahr: 1811
Erscheinungsjahr: 1813
Aus: Gedichte. Ausgabe letzter Hand / Lieder / Wanderlieder 8
Referenzausgabe:
Hartmut Fröschle / Walter Scheffler: Ludwig Uhland. Werke, Bd. 1. Winkler Verlag: 1980, S. 48-49.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.