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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Justinus Christian Andreas Kerner (Schattenspieler Luchs)

Der Ring

Ein fremder Kavalier
Stieg ab vom schwarzen Roß,
Trat in den Königssaal,
Mit andern Herren groß.
5 Derselbe Kavalier
Trug einen Edelstein,
Wie man noch keinen sah,
Von wundersamem Schein.
Ein Stein von hohem Wert
10 In Königs Krone saß,
Doch schien vor diesem er
Ein mattgeschliffen Glas.
Der König bot ihm Gold,
Er bot ihm Leut' und Land,
15 Doch lassen wollt' er nicht
Den edlen Diamant.
Der König des erbost,
Spricht zu dem Hauptmann sein:
Bringt mir des Mannes Hand
20 Samt seinem Edelstein.
Der Hauptmann reckt das Schwert,
Haut nach des Mannes Hand,
Doch statt des Kavaliers
Der Teufel vor ihm stand.
25 Glut strömt aus seinem Ring,
Zur Hölle wächst der Stein,
Schleußt Schloß und König bald
Samt allen Dienern ein.





Entstehungsjahr: 1809-1810
Erscheinungsjahr: 1811
Aus: Die lyrischen Gedichte
Referenzausgabe:
Josef Gaismaier: Justinus Kerners sämtliche poetische Werke, Bd. 1. Hesse & Becker Verlag: 1905, S. 171-172.
Bemerkungen
Das Gedicht wurde in der Erstausgabe »Die Reiseschatten«, 1811 unter dem Pseudonym "Schattenspieler Lux" erstveröffentlicht.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.