Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Justinus Christian Andreas Kerner (Schattenspieler Luchs)

Der Wanderer in der Sägmühle

Dort unten in der Mühle
Saß ich in süßer Ruh'
Und sah dem Räderspiele
Und sah den Wassern zu.
5 Sah zu der blanken Säge,
Es war mir wie ein Traum,
Die bahnte lange Wege
In einen Tannenbaum.
Die Tanne war wie lebend,
10 In Trauermelodie
Durch alle Fasern bebend
Sang diese Worte sie:
Du kehrst zur rechten Stunde,
O Wanderer, hier ein,
15 Du bist's, für den die Wunde
Mir dringt ins Herz hinein!
Du bist's, für den wird werden,
Wenn kurz gewandert du,
Dies Holz im Schoß der Erden,
20 Ein Schrein zur langen Ruh'.
Vier Bretter sah ich fallen,
Mir ward's ums Herze schwer,
Ein Wörtlein wollt' ich lallen,
Da ging das Rad nicht mehr.





Entstehungsjahr: 1812-1815
Erscheinungsjahr: 1830
Aus: Die lyrischen Gedichte
Referenzausgabe:
Josef Gaismaier: Justinus Kerners sämtliche poetische Werke, Bd. 1. Hesse & Becker Verlag: 1905, S. 288-289.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.