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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Tieck

Nacht

Im Windsgeräusch, in stiller Nacht
  Geht dort ein Wandersmann,
Er seufzt und weint und schleicht so sacht,
  Und ruft die Sterne an:
5 Mein Busen pocht, mein Herz ist schwer,
  In stiller Einsamkeit,
Mir unbekannt, wohin, woher,
  Durchwandl' ich Freud' und Leid;
Ihr kleinen goldnen Sterne,
10 Ihr bleibt mir ewig ferne,
        Ferne, ferne,
Und ach! ich vertraut' euch so gerne.
Da klingt es plötzlich um ihn her,
  Und heller wird die Nacht.
15 Schon fühlt er nicht sein Herz so schwer,
  Er dünkt sich neu erwacht:
O Mensch, du bist uns fern und nah,
  Doch einsam bist du nicht,
Vertrau' uns nur, dein Auge sah
20   Oft unser stilles Licht:
Wir kleinen goldnen Sterne
Sind dir nicht ewig ferne;
        Gerne, gerne,
Gedenken ja deiner die Sterne.





Entstehungsjahr: 1796
Erscheinungsjahr: 1797
Aus: Gedichte. Neue Ausgabe 1841 / Erstes Buch 1793-1799
Referenzausgabe:
Ruprecht Wimmer: Ludwig Tieck. Schriften in zwölf Bänden, Bd. 7. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 25.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.