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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Tieck

Schlaflied

Ruhe, Süßliebchen, im Schatten
  Der grünen dämmernden Nacht,
Es säuselt das Gras auf den Matten,
Es fächelt und kühlt dich der Schatten,
5   Und treue Liebe wacht.
    Schlafe, schlaf' ein,
  Leiser rauschet der Hain, –
  Ewig bin ich dein.
Schweigt, ihr versteckten Gesänge,
10   Und stört nicht die süßeste Ruh!
Es lauscht der Vögel Gedränge,
Es ruhen die lauten Gesänge,
  Schließ, Liebchen, dein Auge zu.
    Schlafe, schlaf' ein,
15   Im dämmernden Schein, –
  Ich will dein Wächter sein.
Murmelt fort, ihr Melodien,
  Rausche nur, du stiller Bach,
Schöne Liebesphantasien
20 Sprechen in den Melodien,
  Zarte Träume schwimmen nach,
    Durch den flüsternden Hain
  Schwärmen goldene Bienelein,
  Und summen zum Schlummer dich ein.





Entstehungsjahr: 1796
Erscheinungsjahr: 1797
Aus: Gedichte. Neue Ausgabe 1841 / Zweites Buch 1797-1798
Referenzausgabe:
Ruprecht Wimmer: Ludwig Tieck. Schriften in zwölf Bänden, Bd. 7. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 66-67.
Bemerkungen
Aus dem »Phantasus«

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.