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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Tieck

Trauer

  Wie schnell verschwindet
So Licht als Glanz,
Der Morgen findet
Verwelkt den Kranz,
5   Der gestern glühte
In aller Pracht,
Denn er verblühte
In dunkler Nacht.
  Es schwimmt die Welle
10 Des Lebens hin,
Und färbt sich helle,
Hat's nicht Gewinn;
  Die Sonne neiget,
Die Röte flieht,
15 Der Schatten steiget
Und Dunkel zieht:
  So schwimmt die Liebe
Zu Wüsten ab,
Ach! daß sie bliebe
20 Bis an das Grab!
  Doch wir erwachen
Zu tiefer Qual;
Es bricht der Nachen,
Es löscht der Strahl,
25   Vom schönen Lande
Weit weggebracht
Zum öden Strande,
Wo um uns Nacht.





Entstehungsjahr: 1796
Erscheinungsjahr: 1797
Aus: Gedichte. neue Ausgabe 1841 / Zweites Buch 1797-1798
Referenzausgabe:
Ruprecht Wimmer: Ludwig Tieck. Schriften in zwölf Bänden, Bd. 7. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 67-68.
Bemerkungen
Aus »Die schöne Magelone«

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.