Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Novalis (Friedrich von Hardenberg)

[Hinüber wall ich]

Hinüber wall ich,
Und jede Pein
Wird einst ein Stachel
Der Wollust sein.
5 Noch wenig Zeiten,
So bin ich los,
Und liege trunken
Der Lieb im Schoß.
Unendliches Leben
10 Wogt mächtig in mir
Ich schaue von oben
Herunter nach dir.
An jenem Hügel
Verlischt dein Glanz –
15 Ein Schatten bringet
Den kühlenden Kranz.
O! sauge, Geliebter,
Gewaltig mich an,
Daß ich entschlummern
20 Und lieben kann.
Ich fühle des Todes
Verjüngende Flut,
Zu Balsam und Äther
Verwandelt mein Blut –
25 Ich lebe bei Tage
Voll Glauben und Mut
Und sterbe die Nächte
In heiliger Glut.





Entstehungsjahr: 1800
Erscheinungsjahr: 1800
Aus: Das lyrische Werk 1799-1800 / Hymnen an die Nacht 4
Referenzausgabe:
Gerhard Schulz: Novalis Werke. C. H. Beck Verlag: 1987, S. 45-46.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.