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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Conrad Ferdinand Meyer

Schnitterlied

Wir schnitten die Saaten, wir Buben und Dirnen,
Mit nackenden Armen und triefenden Stirnen,
Von donnernden dunkeln Gewittern bedroht –
Gerettet das Korn! Und nicht einer, der darbe!
5     Von Garbe zu Garbe
    Ist Raum für den Tod –
Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!
Hoch thronet ihr Schönen auf güldenen Sitzen,
In strotzenden Garben umflimmert von Blitzen –
10 Nicht eine, die darbe! Wir bringen das Brot!
Zum Reigen! Zum Tanze! Zur tosenden Runde!
    Von Munde zu Munde
    Ist Raum für den Tod –
Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!





Entstehungsjahr: vor 1875
Erscheinungsjahr: 1891
Fassung: Späte
Aus: Gedichte von 1892 / II. Stunde
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 83.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Erntelied , entstanden vor 1875

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.