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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Conrad Ferdinand Meyer

Napoleon im Kreml

Er nickt mit seinem großen Haupt
Am Feuer eines fremden Herds:
Im Traum erblickt er einen Geist,
Der seines Purpurs Spange löst.
5 Der Dämon schreit mit wilder Gier:
»Mich lüstet nach dem roten Kleid!
In ungezählter Menschen Blut
Getaucht, verfärbt der Purpur nicht!«
Die beiden rangen Leib an Leib.
10 »Gib her!« – »Gib her!« Der Dämon fleucht
Mit spitzen Flügeln durch die Nacht
Und schleift den Purpur hinter sich.
Und wo der Purpur flatternd fliegt,
Sprühn Funken, lodern Flammen auf!
15 Der Korse fährt aus seinem Traum
Und starrt in Moskaus weiten Brand.





Entstehungsjahr: 1862-1863
Erscheinungsjahr: 1882
Fassung: Späte
Aus: Gedichte von 1892 / IV. Reise
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 181.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Napoleon im Kreml , entstanden 1862-1863

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.