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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Conrad Ferdinand Meyer

Lenzfahrt

Am Himmel wächst der Sonne Glut,
Aufquillt der See, das Eis zersprang,
Das erste Segel teilt die Flut,
Mir schwillt das Herz wie Segeldrang.
5 Zu wandern ist das Herz verdammt,
Das seinen Jugendtag versäumt,
Sobald die Lenzessonne flammt,
Sobald die Welle wieder schäumt.
Verscherzte Jugend ist ein Schmerz
10 Und einer ewgen Sehnsucht Hort,
Nach seinem Lenze sucht das Herz
In einem fort, in einem fort!
Und ob die Locke mir ergraut
Und bald das Herz wird stille stehn,
15 Noch muß es, wann die Welle blaut,
Nach seinem Lenze wandern gehn.





Entstehungsjahr: vor 1881
Erscheinungsjahr: 1880
Aus: Gedichte von 1892 / II. Stunde
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 63.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.