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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Matthias Claudius

Die Sternseherin Lise

Ich sehe oft um Mitternacht,
    Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
    Die Stern am Himmel an.
5 Sie gehn da, hin und her zerstreut
    Als Lämmer auf der Flur;
In Rudeln auch, und aufgereiht
    Wie Perlen an der Schnur;
Und funkeln alle weit und breit,
10     Und funkeln rein und schön;
Ich seh die große Herrlichkeit
    Und kann mich satt nicht sehn ...
Dann saget, unterm Himmelszelt,
    Mein Herz mir in der Brust:
15 »Es gibt was Bessers in der Welt
    Als all ihr Schmerz und Lust.«
Ich werf mich auf mein Lager hin,
    Und liege lange wach,
Und suche es in meinem Sinn,
20     Und sehne mich darnach.





Entstehungsjahr: vor 1804
Erscheinungsjahr: 1803
Aus: Asmus VII
Referenzausgabe:
Jost Perfahl: Matthias Claudius. Sämtliche Werke. Winkler-Verlag, München: 1976, S. 595-596.
Bemerkungen
Erstdruck im »ASMUS omnia sua SECUM portans oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten«, Teil VII, 1803, S. 305-306

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.