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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Theodor Körner

Gebet während der Schlacht
1813

                Vater, ich rufe dich!
Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze,
Sprühend umzucken mich rasselnde Blitze.
  Lenker der Schlachten, ich rufe dich!
5                 Vater du, führe mich!
                Vater, du führe mich!
Führ' mich zum Siege, führ' mich zum Tode:
Herr, ich erkenne deine Gebote!
  Herr, wie du willst, so führe mich!
10                 Gott, ich erkenne dich!
                Gott, ich erkenne, dich!
So im herbstlichen Rauschen der Blätter
Als im Schlachtendonnerwetter,
  Urquell der Gnade, erkenn' ich dich.
15                 Vater du, segne mich!
                Vater du, segne mich!
In deine Hand befehl' ich mein Leben,
Du kannst es nehmen, du hast es gegeben;
  Zum Leben, zum Sterben segne mich:
20                 Vater, ich preise dich!
                Vater, ich preise dich!
's ist ja kein Kampf um die Güter der Erde;
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte:
  Drum fallend und siegend preis' ich dich;
25                 Gott, dir ergeb' ich mich!
                Gott, dir ergeb' ich mich!
Wenn mich die Donner des Todes begrüßen,
Wenn meine Adern geöffnet fließen;
  Dir, mein Gott, dir ergeb' ich mich!
30                 Vater, ich rufe dich!





Entstehungsjahr: 1813
Erscheinungsjahr: 1814
Aus: Gedichte / Leyer und Schwert
Referenzausgabe:
Augusta Weldler-Steinberg: Körners Werke in zwei Teilen, Bd. 1. Deutsches Verlagshaus Bong & Co.: [1908], S. 32-33.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.