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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

Lied zu singen bei einer Wasserfahrt

Wir ruhen, vom Wasser gewiegt,
Im Kreise vertraulich und enge;
Durch Eintracht wie Blumengehänge
Verknüpft und in Reihen gefügt;
5 Uns sondert von lästiger Menge
Die Flut, die den Nachen umschmiegt.
So gleiten, im Raume vereint,
Wir auf der Vergänglichkeit Wellen,
10 Wo Freunde sich innig gesellen
Zum Freunde, der redlich es meint!
Getrost, weil die dunkelsten Stellen
Ein Glanz aus der Höhe bescheint.
15 Ach! trüg' uns die fährliche Flut
Des Lebens so friedlich und leise!
O drohte nie Trennung dem Kreise,
Der, sorglos um Zukunft, hier ruht!
O nähm' uns am Ziele der Reise
20 Elysiums Busen in Hut!
Verhallen mag unser Gesang,
Wie Flötenhauch schwinden das Leben:
Mit Jubel und Seufzern verschweben
25 Des Daseins zerfließender Klang!
Der Geist wird verklärt sich erheben,
Wenn Lethe sein Fahrzeug verschlang.





Entstehungsjahr: 1794-1798
Erscheinungsjahr: 1800
Aus: Gedichte zweiter Teil
Referenzausgabe:
Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis. Gesammelte Gedichte. Calven-Verlag, Chur: 1964, S. 124.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.