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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Louis Charles Adelaide de Chamisso de Boncourt (Chamisso, Adelbert von)

[Süßer Freund, du blickest]

Süßer Freund, du blickest
    Mich verwundert an,
Kannst es nicht begreifen,
    Wie ich weinen kann;
5 Laß der feuchten Perlen
    Ungewohnte Zier
Freudighell erzittern
    In den Wimpern mir.

Wie so bang mein Busen,
    Wie so wonnevoll!
10 Wüßt ich nur mit Worten,
    Wie ich's sagen soll;
Komm und birg dein Antlitz
    Hier an meiner Brust,
Will ins Ohr dir flüstern
15     Alle meine Lust.

Hab ob manchen Zeichen
    Mutter schon gefragt,
Hat die gute Mutter
    Alles mir gesagt,
Hat mich unterwiesen,
20     Wie, nach allem Schein,
Bald für eine Wiege
    Muß gesorget sein.

Weißt du nun die Tränen,
    Die ich weinen kann,
Sollst du nicht sie sehen,
25     Du geliebter Mann;
Bleib an meinem Herzen,
    Fühle dessen Schlag,
Daß ich fest und fester
    Nur dich drücken mag.

Hier an meinem Bette
30     Hat die Wiege Raum,
Wo sie still verberge
    Meinen holden Traum;
Kommen wird der Morgen,
    Wo der Traum erwacht,
35 Und daraus dein Bildnis
    Mir entgegen lacht.





Entstehungsjahr: 1829
Erscheinungsjahr: 1830
Aus: Gedichte / Lieder und lyrisch epische Gedichte / Frauen-Liebe und Leben 6
Referenzausgabe:
Jost Perfahl: Adelbert von Chamisso. Sämtliche Werke in zwei Bänden, Bd. 1. Winkler-Verlag, München: 1975, S. 152-153.
Bemerkungen
Erstdruck im »Musenalmanach [für das Jahr 1831]«, 1830, S. 73-84

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.