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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Matthias Claudius

Der Mensch

Empfangen und genähret
    Vom Weibe wunderbar
Kömmt er und sieht und höret,
    Und nimmt des Trugs nicht wahr;
5 Gelüstet und begehret,
    Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet, und verehret;
    Hat Freude, und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
10     Hält nichts, und alles wahr;
Erbauet, und zerstöret;
    Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst, und zehret;
    Trägt braun und graues Haar etc.
15 Und alles dieses währet,
    Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr.
Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder,
    Und er kömmt nimmer wieder.






Entstehungsjahr: vor 1784
Erscheinungsjahr: 1783
Aus: Asmus IV
Referenzausgabe:
Jost Perfahl: Matthias Claudius. Sämtliche Werke. Winkler-Verlag, München: 1976, S. 248.
Bemerkungen
Erstdruck im Asmus IV, S. 193, 1783.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.