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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Die späte Hochzeit

Der Mond ging unter – jetzt ist's Zeit. –
  Der Bräut'gam steigt vom Roß,
Er hat so lange schon gefreit –
  Da tut sich auf das Schloß,
5 Und in der Halle sitzt die Braut
  Auf diamant'nem Sitz,
Von ihrem Schmuck tut's durch den Bau
  Ein'n langen roten Blitz. –
Blass' Knaben warten schweigend auf,
10   Still' Gäste steh'n herum,
Da richt't die Braut sich langsam auf,
  So hoch und bleich und stumm.
Sie schlägt zurück ihr Goldgewand,
  Da schauert ihn vor Lust,
15 Sie langt mit kalter, weißer Hand
  Das Herz ihm aus der Brust.





Entstehungsjahr: vor 1829
Erscheinungsjahr: 1828
Aus: Gedichte 1816-1830
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 268.
Bemerkungen
Erstdruck 1828 in dem Drama »Ezelin von Romana«
1837 in G1, S. 453 (=DV)

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.