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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Die Räuberbrüder

»Vorüber ist der blut'ge Strauß,
Hier ist's so still, nun ruh' Dich aus.«
»Vom Tal herüber kommt die Luft;
Horch, hörst du Nichts? Die Mutter ruft.«
5 »Die Mutter ist ja lange tot,
Eine Glocke klingt durch's Morgenrot.«
»Lieb' Mutter, hab' nicht solches Leid,
Mein wildes Leben mich gereut. –«
»Was sinkst du auf die Knie in's Gras?
10 Deine Augen dunkeln, du wirst so blaß. –«
Es war von Blut der Grund so rot,
Der Räuber lag im Grase tot.
Da küßt der Bruder den bleichen Mund:
»Dich liebt' ich recht aus Herzensgrund.«
15 Vom Fels dann schoß er noch einmal
Und warf die Büchse tief in's Tal.
Drauf schritt er durch den Wald zur Stadt:
»Ihr Herrn, ich bin des Lebens satt.«
»Hie ist mein Haupt, nun richtet bald,
20 Zum Bruder legt mich in den Wald.«





Entstehungsjahr: um 1839
Erscheinungsjahr: 1841
Aus: Gedichte 1837-1843
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz: Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 432.
Bemerkungen
Erstdruck 1841 in »Deutscher Musenalmanach«, S. 7-8 (=DV)
1841 in G2, S. 478

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.