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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

[Es saß ein Mann gefangen]

Es saß ein Mann gefangen
   Auf einem hohen Turm,
Die Wetterfähnlein klangen
   Gar seltsam in den Sturm.
5 Und draußen hört' er ringen
   Verworr'ner Ströme Gang,
Dazwischen Vöglein singen,
   Und heller Waffen Klang.
Ein Liedlein scholl gar lustig:
10    Heisa, so lang Gott will!
Und wilder Menge Tosen,
   Dann wieder totenstill.
So tausend Stimmen irren,
   Wie Wind' im Meere geh'n,
15 Sich teilen und verwirren,
   Er konnte nichts versteh'n.
Doch spürt' er, wer ihn grüße
   Mit Schaudern und mit Lust,
Es rührt ihm wie ein Riese
20    Das Leben an die Brust.





Entstehungsjahr: 1809
Erscheinungsjahr: 1837
Aus: Gedichte 1807-1810
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 95.
Bemerkungen
Erstdruck 1837 in G1, S. 134, unter dem Titel »Der Riese« (=DV)
Die Referenzvorlage verzichtet begündet auf den Abdruck des wohl falschen Titels - dieser Vorgehensweise folgen wir.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.