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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Theodor Storm

[Du glaubtest nicht an frohe Tage mehr]

Du glaubtest nicht an frohe Tage mehr,
Verjährtes Leid ließ nimmer dich genesen;
Die Mutterfreude war für dich zu schwer,
Das Leben war dir gar zu hart gewesen.
5 Er saß bei dir in letzter Liebespflicht;
Noch eine Nacht, noch eine war gegeben!
Auch die verrann; dann kam das Morgenlicht.
»Mein guter Mann, wie gerne wollt' ich leben!«
Er hörte still die sanften Worte an,
10 Wie sie sein Ohr in bangen Pausen trafen:
»Sorg' für das Kind – ich sterbe, süßer Mann.«
Dann halb verständlich noch: »Nun will ich schlafen.«
Und dann nichts mehr; – du wurdest nimmer wach,
Dein Auge brach, die Welt ward immer trüber;
15 Der Atem Gottes wehte durch's Gemach,
Dein Kind schrie auf, und dann warst du hinüber.





Entstehungsjahr: 1847
Erscheinungsjahr: 1851
Aus: Gedichte / Erstes Buch / Einer Toten 1
Referenzausgabe:
Dieter Lohmeier: Theodor Storm. Sämtliche Werke in vier Bänden, Bd. 1. Klassiker-Verlag: 1987, S. 31.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.