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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Matthias Claudius

Die Mutter bei der Wiege

Schlaf, süßer Knabe, süß und mild!
    Du deines Vaters Ebenbild!
Das bist du; zwar dein Vater spricht,
    Du habest seine Nase nicht.
5 Nur eben itzo war er hier
    Und sah dir ins Gesicht,
Und sprach: »Viel hat er zwar von mir,
    Doch meine Nase nicht.«
Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein,
10     Doch muß es seine Nase sein;
Denn wenn's nicht seine Nase wär,
    Wo hättst du denn die Nase her?
Schlaf, Knabe, was dein Vater spricht,
    Spricht er wohl nur im Scherz;
15 Hab immer seine Nase nicht,
    Und habe nur sein Herz!





Entstehungsjahr: vor 1772
Erscheinungsjahr: 1771
Aus: Asmus I/II
Referenzausgabe:
Jost Perfahl: Matthias Claudius. Sämtliche Werke. Winkler-Verlag, München: 1976, S. 38.
Bemerkungen
Erstruck im »ASMUS omnia sua SECUM portans oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten«, 1771

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.