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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Rückert (Reimar / Reimer)

[Ich schäme mich der schwachen Augenblicke]

Ich schäme mich der schwachen Augenblicke,
  Wo ich mir selbst der Knechtschaft Band gesponnen,
  Wo es mir galt die höchste meiner Wonnen,
  Vor ihr im Staub zu beugen mein Genicke.
5 Ich schäme mich, daß ich an ihre Blicke
  Gefesselt hing, als wären sie nur Sonnen,
  An ihren Kuß, als wär' nur er ein Bronnen,
  An ihr Gebot, als wär' nur es Geschicke.
Ich schäme mich so mancher Thränenmienen,
10   Ich schäme mich so mancher Seufzertöne,
  So manches Schmeichelworts voll Lobgebräme.
Mich schäm' ich, wie sie mir so schön geschienen,
  Daß ich nicht längst mich schämt', und noch so schöne
  Mir scheint, daß ich fast all der Scham mich schäme.






Entstehungsjahr: 1812
Erscheinungsjahr: 1834
Aus: / Amaryllis. Ein Sommer auf dem Lande 45
Referenzausgabe:
Ludwig Laistner: Friedrich Rückerts Werke in sechs Bänden, Bd. 1. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G.m.b.H.: [1895], S. 318-319.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.