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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Theodor Storm

Abseits

Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
5 Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.
Laufkäfer hasten durch's Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
10 Sich an der Edelheide Glöckchen;
Die Vögel schwirren aus dem Kraut –
Die Luft ist voller Lerchenlaut.
Ein halbverfallen' niedrig' Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen;
15 Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.
Kaum zittert durch die Mittagsruh
20 Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
– Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.





Entstehungsjahr: 1847
Erscheinungsjahr: 1848
Aus: Gedichte / Erstes Buch
Referenzausgabe:
Dieter Lohmeier: Theodor Storm. Sämtliche Werke in vier Bänden, Bd. 1. Klassiker-Verlag: 1987, S. 12.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.