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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Rückert (Reimar / Reimer)

Barbarossa

Der alte Barbarosse,
  Der Kaiser Friederich,
  Im unterird'schen Schlosse
  Hält er verzaubert sich.
5 Er ist niemals gestorben,
  Er lebt darin noch jetzt;
  Er hat im Schloß verborgen
  Zum Schlaf sich hingesetzt.
Er hat hinabgenommen
10   Des Reiches Herrlichkeit
  Und wird einst wiederkommen,
  Mit ihr, zu seiner Zeit.
Der Stuhl ist elfenbeinern,
  Darauf der Kaiser sitzt;
15   Der Tisch ist marmelsteinern,
  Worauf sein Haupt er stützt.
Sein Bart ist nicht von Flachse,
  Er ist von Feuersglut,
  Ist durch den Tisch gewachsen,
20   Worauf sein Kinn ausruht.
Er nickt als wie im Traume,
  Sein Aug' halb offen zwinkt;
  Und je nach langem Raume
  Er einem Knaben winkt.
25 Er spricht im Schlaf zum Knaben:
  Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
  Und sieh, ob noch die Raben
  Herfliegen um den Berg,
Und wenn die alten Raben
30   Noch fliegen immerdar,
  So muß ich auch noch schlafen
  Verzaubert hundert Jahr.






Entstehungsjahr: 1814-1815
Erscheinungsjahr: ?
Aus: / Vaterländische Gedichte
Referenzausgabe:
Ludwig Laistner: Friedrich Rückerts Werke in sechs Bänden, Bd. 2. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G.m.b.H.: [1895], S. 41-42.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.