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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Rückert (Reimar / Reimer)

Aus der Jugendzeit

Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit
  Klingt ein Lied mir immerdar;
  O wie liegt so weit, o wie liegt so weit,
  Was mein einst war!
5 Was die Schwalbe sang, was die Schwalbe sang,
  Die den Herbst und Frühling bringt;
  Ob das Dorf entlang, ob das Dorf entlang
  Das jetzt noch klingt?
»Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,
10   Waren Kisten und Kasten schwer;
  Als ich wieder kam, als ich wieder kam,
  War alles leer.«
O du Kindermund, o du Kindermund,
  Unbewußter Weisheit froh,
15   Vogelsprachekund, vogelsprachekund,
  Wie Salomo!
O du Heimatflur, o du Heimatflur,
  Laß zu deinem heil'gen Raum
  Mich noch einmal nur, mich noch einmal nur
20   Entfliehn im Traum!
Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,
  War die Welt mir voll so sehr;
  Als ich wieder kam, als ich wieder kam,
  War alles leer.
25 Wohl die Schwalbe kehrt, wohl die Schwalbe kehrt,
  Und der leere Kasten schwoll;
  Ist das Herz geleert, ist das Herz geleert,
  Wird's nie mehr voll.
Keine Schwalbe bringt, keine Schwalbe bringt
30   Dir zurück, wonach du weinst;
  Doch die Schwalbe singt, doch die Schwalbe singt
  Im Dorf wie einst:
»Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,
  Waren Kisten und Kasten schwer;
35   Als ich wieder kam, als ich wieder kam,
  War alles leer.«






Entstehungsjahr: nach 1817
Erscheinungsjahr: ?
Aus: / Italienische Gedichte
Referenzausgabe:
Ludwig Laistner: Friedrich Rückerts Werke in sechs Bänden, Bd. 2. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G.m.b.H.: [1895], S. 175.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.