Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Karl August Graf von Platen Hallermund (Platen-Hallermünde)

Lebensstimmung

                    ---vv-, -vv-v-
                    ---vv-, -vv-v-
                        --vv-v-v
                          vv-vv-v-
5 »Wem dein wachsender Schmerz Busen und Geist beklemmt
Als Vorbote des Tods, bitterer Menschenhaß,
    Dem blühn der Gesang, die Tänze,
      Die Gelage der Jugend nicht!
Sein Zeitalter und er scheiden sich feindlich ab,
10 Ihm mißfällt, was erfreut Tausende, während er
    Scharfsichtige, finstre Blicke
      In die Seele der Toren wirft.
Weh ihm, wenn die Natur zarteren Bau vielleicht,
Bildungsreicheren lieh seinem Gehör, um durch
15     Kunstvolle Musik der Worte
      Zu verewigen jede Pein!
Wenn unreifes Geschwätz oder Verleumdung ihn
Kleinlichst foltert, und er, welchen der Pöbel höhnt,
    Nicht ohne geheimes Knirschen
20       Unerträgliche Qual erträgt:
Wenn Wahrheiten er denkt, die er verschweigen muß,
Wenn Wahnsinn dem Verstand schmiedet ein ehrnes Joch,
    Wenn Schwäche des Starken Geißel
      Wie ein heiliges Zepter küßt:
25 Ja, dann wird er gemach müde des bunten Spiels,
Freiheitatmender wehn Lüfte des Heils um ihn,
    Weglegt er der Täuschung Mantel,
      Und der Sinne gesticktes Kleid.«
Ob zwei Seelen es gibt, welche sich ganz verstehn?
30 Wer antwortet? Der Mensch forsche dem Rätsel nach,
    Gleichstimmige Menschen suchend,
      Bis er stirbt, bis er sucht und stirbt.





Entstehungsjahr: 1827
Erscheinungsjahr: 1827
Aus: Nach der Ausgabe von 1834 / Oden 8
Referenzausgabe:
Kurt Wölfel / Jürgen Link: August von Platen. Werke, Bd. 1. Winkler-Verlag: 1982, S. 463-464.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.