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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Karl August Graf von Platen Hallermund (Platen-Hallermünde)

Das Grab im Busento

Am Busento bei Cosenza
Lispeln nächtlich dumpfe Lieder,
Antwort schallt dann aus den Wassern,
Und in Wirbeln klingt es wider.
5 Und flußaufwärts und flußabwärts
Ziehn die Schatten tapfrer Goten,
Die um Alarich noch weinen,
Weinen um den großen Toten.
Ihm erblich das Jugendantlitz
10 Ferne von der Väter Saale,
Zu Consenza schwang der König
Seine Wehr zum letztenmale.
An Busentos Ufern reihten
Sich die Goten um die Wette,
15 Und, den Strom hinwegzuleiten,
Gruben sie ein frisches Bette.
In der wogenleeren Höhlung
Wühlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam
20 Mit der Rüstung auf dem Pferde.
An die linke Hüfte hingen
Sie sein Schwert ihm noch, das kühne,
An den wilden Mannesbusen
Legten sie das Kreuz der Sühne.
25 Deckten dann mit Erde wieder
Ihn und seine stolze Habe,
Daß die hohen Stromgewächse
Wüchsen aus dem Heldengrabe.
Abgelenkt zum zweitenmale
30 Ward der Fluß herbeigezogen:
Stolzer in ihr altes Bette,
Schäumten die Busentowogen.
Aber fromme Priester sangen:
Schlaf in deinen Heldenehren!
35 Keines Römers schnöde Habsucht
Soll dein Grab dir je versehren!
Sangen's, und die Rundgesänge
Tönten fort im Gotenheere:
Trag des Königs Ruhm, Busento,
40 Durch den ganzen Ring der Meere.





Entstehungsjahr: 1820
Erscheinungsjahr: 1821
Fassung: Frühe
Aus: Anhang / Balladen
Referenzausgabe:
Kurt Wölfel / Jürgen Link: August von Platen. Werke, Bd. 1. Winkler-Verlag: 1982, S. 706-707.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Das Grab im Busento , entstanden 1820

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.