Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Novalis (Friedrich von Hardenberg)

[Gern verweil ich noch im Tale]

Gern verweil ich noch im Tale
Lächelnd in der tiefen Nacht,
Denn der Liebe volle Schale
Wird mir täglich dargebracht.
5 Ihre heilgen Tropfen heben
Meine Seele hoch empor,
Und ich steh in diesem Leben
Trunken an des Himmels Tor.
Eingewiegt in selges Schauen,
10 Ängstigt mein Gemüt kein Schmerz.
O! die Königin der Frauen
Gibt mir ihr getreues Herz.
Bangverweinte Jahre haben
Diesen schlechten Ton verklärt,
15 Und ein Bild ihm eingegraben,
Das ihm Ewigkeit gewährt.
Jene lange Zahl von Tagen
Dünkt mir nur ein Augenblick;
Werd ich einst von hier getragen,
20 Schau ich dankbar noch zurück.





Entstehungsjahr: 1799-1800
Erscheinungsjahr: 1802
Aus: Heinrich von Ofterdingen / Erster Teil. Die Erwartung
Referenzausgabe:
Gerhard Schulz: Novalis Werke. C. H. Beck Verlag: 3. Auflage 1987, S. 193-194.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.