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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Wilhelm Müller

Rückblick

Es brennt mir unter beiden Sohlen,
Tret ich auch schon auf Eis und Schnee.
Ich möcht nicht wieder Atem holen,
Bis ich nicht mehr die Türme seh.
5 Hab mich an jedem Stein gestoßen,
So eilt ich zu der Stadt hinaus;
Die Krähen warfen Bäll und Schloßen
Auf meinen Hut von jedem Haus.
Wie anders hast du mich empfangen,
10 Du Stadt der Unbeständigkeit!
An deinen blanken Fenstern sangen
Die Lerch und Nachtigall im Streit.
Die runden Lindenbäume blühten,
Die klaren Rinnen rauschten hell,
15 Und ach, zwei Mädchenaugen glühten! –
Da war's geschehn um dich, Gesell!
Kömmt mir der Tag in die Gedanken,
Möcht ich noch einmal rückwärts sehn.
Möcht ich zurücke wieder wanken,
20 Vor ihrem Hause stille stehn.





Entstehungsjahr: 1821-1822
Erscheinungsjahr: 1823
Aus: / Die Winterreise 9
Referenzausgabe:
Maria-Verena Leistner: Wilhelm Müller. Werke, Tagebücher, Briefe, Bd. 1. Mathias Gatza Verlag: 1994, S. 176-177.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.