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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Wilhelm Müller

Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh ich wieder aus.
Der Mai war mir gewogen
Mit manchem Blumenstrauß.
5 Das Mädchen sprach von Liebe,
Die Mutter gar von Eh' –
Nun ist die Welt so trübe,
Der Weg gehüllt in Schnee.
Ich kann zu meiner Reisen
10 Nicht wählen mit der Zeit:
Muß selbst den Weg mir weisen
In dieser Dunkelheit.
Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
15 Und auf den weißen Matten
Such ich des Wildes Tritt.
Was soll ich länger weilen,
Bis man mich trieb' hinaus?
Laß irre Hunde heulen
20 Vor ihres Herren Haus!
Die Liebe liebt das Wandern, –
Gott hat sie so gemacht –
Von einem zu dem andern –
Fein Liebchen, gute Nacht!
25 Will dich im Traum nicht stören,
Wär schad um deine Ruh,
Sollst meinen Tritt nicht hören –
Sacht, sacht die Türe zu!
Ich schreibe nur im Gehen
30 Ans Tor noch gute Nacht,
Damit du mögest sehen,
Ich hab an dich gedacht.





Entstehungsjahr: 1821-1822
Erscheinungsjahr: 1823
Aus: / Die Winterreise 1
Referenzausgabe:
Maria-Verena Leistner: Wilhelm Müller. Werke, Tagebücher, Briefe, Bd. 1. Mathias Gatza Verlag: 1994, S. 170-171.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.