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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Wilhelm Müller

Das Frühlingsmahl

Wer hat die weißen Tücher
Gebreitet über das Land?
Die weißen duftenden Tücher
Mit ihrem grünen Rand?
5 Und hat darüber gezogen
Das hohe blaue Zelt?
Darunter den bunten Teppich
Gelagert über das Feld?
Er ist es selbst gewesen,
10 Der gute reiche Wirt
Des Himmels und der Erden,
Der nimmer ärmer wird.
Er hat gedeckt die Tische
In seinem weiten Saal,
15 Und ruft, was lebet und webet,
Zum großen Frühlingsmahl.
Wie strömt's aus allen Blüten
Herab von Strauch und Baum!
Und jede Blüt ein Becher
20 Voll süßer Düfte Schaum.
Hört ihr des Wirtes Stimme?
Heran, was kriecht und fliegt,
Was geht und steht auf Erden,
Was unter den Wogen sich wiegt!
25 Und du, mein Himmelspilger,
Hier trinke trunken dich,
Und sinke selig nieder
Aufs Knie und denk an mich!





Entstehungsjahr: 1824
Erscheinungsjahr: 1826
Aus: / Frühlingskranz / aus dem Plauenschen Grunde bei Dresden 5
Referenzausgabe:
Maria-Verena Leistner: Wilhelm Müller. Werke, Tagebücher, Briefe, Bd. 2. Mathias Gatza Verlag: 1994, S. 46-47.
Bemerkungen
Zyklusfeld zu kurz, es muß heißen: Frühlingskranz aus dem Plauenschen Grunde bei Dresden 5

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.