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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Conrad Ferdinand Meyer

Spiel

Denkst, Freund, des wilden Knabenspiels du noch,
Das wir getrieben einst am Bergesjoch,
Wann unser freudger Wandertag verglomm
Und höher stets und immer höher klomm?
5 Wir sprangen jubelnd über Stock und Stein
Bergan und wieder in das Licht hinein,
    Und noch einmal und noch einmal,
Bis uns entschlüpft' der letzte Sonnenstrahl.
Das Spiel, das wir im Alpentale dort
10 Getrieben, Freund, wir spielen's heut noch fort.
Wann neben uns das süße Licht erbleicht,
Wir steigen, bis von neuem wir's erreicht.
Wir springen rüstig über Stock und Stein
Und mitten wieder in den Tag hinein,
15     Und noch einmal und noch einmal,
Bis uns entschlüpft der letzte Lebensstrahl.





Entstehungsjahr: vor 1878
Erscheinungsjahr: 1882
Aus: Gedichte von 1892 / III. In den Bergen
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 119.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.