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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Conrad Ferdinand Meyer

Im Spätboot

Aus der Schiffsbank mach ich meinen Pfühl.
Endlich wird die heiße Stirne kühl!
O wie süß erkaltet mir das Herz!
O wie weich verstummen Lust und Schmerz!
5 Über mir des Rohres schwarzer Rauch
Wiegt und biegt sich in des Windes Hauch.
Hüben hier und wieder drüben dort
Hält das Boot an manchem kleinen Port:
Bei der Schiffslaterne kargem Schein
10 Steigt ein Schatten aus und niemand ein.
Nur der Steurer noch, der wacht und steht!
Nur der Wind, der mir im Haare weht,
Schmerz und Lust erleiden sanften Tod:
Einen Schlummrer trägt das dunkle Boot.





Entstehungsjahr: vor 1883
Erscheinungsjahr: 1882
Aus: Gedichte von 1892 / II. Stunde
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 80.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.