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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Conrad Ferdinand Meyer

Auf dem Canal grande

Auf dem Canal grande betten
Tief sich ein die Abendschatten,
Hundert dunkle Gondeln gleiten
Als ein flüsterndes Geheimnis.
5 Aber zwischen zwei Palästen
Glüht herein die Abendsonne,
Flammend wirft sie einen grellen
Breiten Streifen auf die Gondeln.
In dem purpurroten Lichte
10 Laute Stimmen, hell Gelächter,
Überredende Gebärden
Und das frevle Spiel der Augen.
Eine kurze kleine Strecke
Treibt das Leben leidenschaftlich
15 Und erlischt im Schatten drüben
Als ein unverständlich Murmeln.





Entstehungsjahr: vor 1890
Erscheinungsjahr: 1889
Aus: Gedichte von 1892 / IV. Reise
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 164.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.