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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Lenau (Nikolaus Edler Niembsch von Strehlenau)

Traumgewalten

Der Traum war so wild, der Traum war so schaurig,
So tief erschütternd, unendlich traurig.
Ich möchte gerne mir sagen:
Daß ich ja fest geschlafen hab',
5 Daß ich ja nicht geträumet hab',
Doch rinnen mir noch die Thränen herab,
Ich höre mein Herz noch schlagen.
Ich bin erwacht in banger Ermattung,
Ich finde mein Tuch durchnäßt am Kissen,
10 Wie man's heimbringt von einer Bestattung;
Hab' ich's im Traume hervorgerissen
Und mir getrocknet das Gesicht?
Ich weiß es nicht.
Doch waren sie da, die schlimmen Gäste,
15 Sie waren da zum nächtlichen Feste.
Ich schlief, mein Haus war preisgegeben,
Sie führten darin ein wüstes Leben.
Nun sind sie fort, die wilden Naturen;
In diesen Thränen find' ich die Spuren,
20 Wie sie mir Alles zusammengerüttet,
Und über den Tisch den Wein geschüttet.





Entstehungsjahr: 1838
Erscheinungsjahr: 1838
Aus: Neuere Gedichte (1838) / Vermischte Gedichte
Referenzausgabe:
Helmut Brandt et al.: Nikolaus Lenau. Werke und Briefe, Bd. 2. Deuticke Verlag / Klett-Cotta Verlag: 1995, S. 107.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.