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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Lenau (Nikolaus Edler Niembsch von Strehlenau)

Das Mondlicht

Dein gedenkend irr' ich einsam
Diesen Strom entlang;
Könnten lauschen wir gemeinsam
Seinem Wellenklang!
5 Könnten wir zusammenschauen
In den Mond empor,
Der da drüben aus den Auen
Leise taucht hervor.
Freundlich streut er meinem Blicke
10 Aus dem Silberschein
Stromhinüber eine Brücke
Bis zum stillen Hain. –
Wo des Stromes frohe Wellen
Durch den Schimmer zieh'n,
15 Seh' ich, wie hinab die schnellen
Unaufhaltsam flieh'n.
Aber wo im schimmerlosen
Dunkel geht die Fluth,
Ist sie nur ein dumpfes Tosen,
20 Das dem Auge ruht. –
Daß doch mein Geschick mir brächte
Einen Blick von dir!
Süßes Mondlicht meiner Nächte,
Mädchen, bist du mir!
25 Wenn nach dir ich oft vergebens
In die Nacht geseh'n,
Scheint der dunkle Strom des Lebens
Traurend still zu steh'n;
Wenn du über seinen Wogen
30 Strahlest zauberhell,
Seh ich sie dahingezogen,
Ach, nur allzuschnell!





Entstehungsjahr: 1831
Erscheinungsjahr: 1832
Aus: Gedichte von Nicolaus Lenau. Erste Auflage 1832 / Lieder der Sehnsucht
Referenzausgabe:
Helmut Brandt et al.: Nikolaus Lenau. Werke und Briefe, Bd. 1. Deuticke Verlag / Klett-Cotta Verlag: 1995, S. 92-93.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.