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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Lenau (Nikolaus Edler Niembsch von Strehlenau)

[Hast du schon je dich ganz allein gefunden]

Hast du schon je dich ganz allein gefunden,
Lieblos und ohne Gott auf einer Heide,
Die Wunden schnöden Mißgeschicks verbunden
Mit stolzer Stille, zornig dumpfem Leide?
5 War jede frohe Hoffnung dir entschwunden,
Wie einem Jäger an der Bergesscheide
Stirbt das Gebell von den verlornen Hunden,
Wie's Vöglein zieht, daß es den Winter meide?
Warst du auf einer Heide so allein,
10 So weißt du auch, wie's einen dann bezwingt,
Daß er umarmend stürzt an einen Stein;
Daß er, von seiner Einsamkeit erschreckt,
Entsetzt empor vom starren Felsen springt
Und bang dem Winde nach die Arme streckt.





Entstehungsjahr: 1838
Erscheinungsjahr: 1840
Aus: Neuere Gedichte (1840) / Einsamkeit 1
Referenzausgabe:
Helmut Brandt et al.: Nikolaus Lenau. Werke und Briefe, Bd. 2. Deuticke Verlag / Klett-Cotta Verlag: 1995, S. 214.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.