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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Lenau (Nikolaus Edler Niembsch von Strehlenau)

Die drei Zigeuner

Drei Zigeuner fand ich einmal
Liegen an einer Weide,
Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
Schlich durch sandige Heide.
5 Hielt der Eine für sich allein
In den Händen die Fiedel,
Spielte, umglüht vom Abendschein,
Sich ein feuriges Liedel.
Hielt der zweite die Pfeif' im Mund,
10 Blickte nach seinem Rauche,
Froh, als ob er vom Erdenrund
Nichts zum Glücke mehr brauche.
Und der Dritte behaglich schlief,
Und sein Cimbal am Baum hing,
15 Ueber die Saiten der Windhauch lief,
Ueber sein Herz ein Traum ging.
An den Kleidern trugen die Drei
Löcher und bunte Flicken,
Aber sie boten trotzig frei
20 Spott den Erdengeschicken.
Dreifach haben sie mir gezeigt,
Wenn das Leben uns nachtet,
Wie man's verraucht, verschläft, vergeigt,
Und es dreimal verachtet.
25 Nach den Zigeunern lang noch schaun
Mußt' ich im Weiterfahren,
Nach den Gesichtern dunkelbraun,
Den schwarzlockigen Haaren.





Entstehungsjahr: 1837-1838
Erscheinungsjahr: 1838
Aus: Neuere Gedichte (1838) / Gestalten
Referenzausgabe:
Helmut Brandt et al.: Nikolaus Lenau. Werke und Briefe, Bd. 2. Deuticke Verlag / Klett-Cotta Verlag: 1995, S. 44.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.