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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Lenau (Nikolaus Edler Niembsch von Strehlenau)

Der Lenz

Da kommt der Lenz, der schöne Junge,
Den Alles lieben muß,
Herein mit einem Freudensprunge,
Und lächelt seinen Gruß;
5 Und schickt sich gleich mit frohem Necken
Zu all' den Streichen an,
Die er auch sonst dem alten Recken,
Dem Winter, angethan.
Er gibt sie frei die Bächlein alle,
10 Wie auch der Alte schilt,
Die der in seiner Eisesfalle
So streng gefangen hielt.
Schon zieh'n die Wellen flink von dannen
Mit Tanzen und Geschwätz,
15 Und spötteln über des Tyrannen
Zerronnenes Gesetz.
Den Jüngling freut es, wie die raschen
Hinlärmen durchs Gefild,
Und sich aus leichten Fingern haschen
20 Sein aufgeblühtes Bild.
Froh lächelt seine Mutter Erde
Nach ihrem langen Harm;
Sie schlingt mit jubelnder Geberde
Das Söhnlein in den Arm.
25 In ihren Busen greift der Lose
Und zieht ihr schmeichelnd keck
Das sanfte Veilchen und die Rose
Hervor aus dem Versteck.
Und sein geschmeidiges Gesinde
30 Schickt er zu Berg und Thal:
"Sagt, daß ich da bin, meine Winde,
Den Freunden allzumal!"
Er zieht das Herz an Liebesketten
Rasch über manche Kluft,
35 Und schleudert seine Singraketen,
Die Lerchen, in die Luft.





Entstehungsjahr: 1831
Erscheinungsjahr: 1832
Aus: Gedichte bis 1832
Referenzausgabe:
Helmut Brandt et al.: Nikolaus Lenau. Werke und Briefe, Bd. 1. Deuticke Verlag / Klett-Cotta Verlag: 1995, S. 44-45.
Bemerkungen
Auf Seite 146-147 ist die identische Version der Sammlung von 1832 abgedruckt.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.