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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Gottlieb Klopstock

Die Etats Generaux

Der kühne Reichstag Galliens dämmert schon,
Die Morgenschauer dringen den Wartenden
  Durch Mark und Bein: o komm, du neue,
    Labende, selbst nicht geträumte Sonne!
5 Gesegnet sei mir du, das mein Haupt bedeckt,
Mein graues Haar, die Kraft, die nach sechzigen
  Fortdauert; denn sie wars, so weit hin
    Brachte sie mich, daß ich dies erlebte!
Verzeiht, o Franken (Name der Brüder ist
10 Der edle Name), daß ich den Deutschen einst
  Zurufte, das zu fliehn, warum ich
    Ihnen itzt flehe, euch nachzuahmen.
Die größte Handlung dieses Jahrhunderts sei,
So dacht ich sonst, wie Herkules Friederich
15   Die Keule führte, von Europas
    Herrschern bekämpft, und den Herrscherinnen!
So denk ich jetzt nicht. Gallien krönet sich
Mit einem Bürgerkranze, wie keiner war!
  Der glänzet heller, und verdient es!
20     Schöner, als Lorbeer, die Blut entschimmert.





Entstehungsjahr: 1788
Erscheinungsjahr: 1789
Aus: / Oden und Elegien
Referenzausgabe:
Karl August Schleiden: Friedrich Gottlieb Klopstock. Ausgewählte Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag: 4. Auflage 1981, S. 140.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.