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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

[Willkommen, klare Sommernacht]

Willkommen, klare Sommernacht,
die auf tautrunknen Fluren liegt!
Gegrüßt mir, hehre Sternenpracht,
die spielend sich im Weltraum wiegt!
5 Das Urgebirge um mich her
Ist schweigend, wie mein Nachtgebet:
Weit hinter ihm hör' ich das Meer,
Im Geist, und wie die Brandung geht.
Ich höre einen Flötenton,
10 Den mir der Wind von Westen bringt,
Indes herauf im Osten schon
Die Ahnung, wie vom Tage, dringt.
Ich sinne, wo in weiter Welt
Jetzt sterben mag ein Menschenkind –
15 Und ob vielleicht den Einzug hält
Das längst ersehnte Heldenkind.
Doch wie auf blüh'ndem Erdental
Ein unermeßlich Schweigen ruht:
Ich fühle mich so leicht zumal
20 Und, wie die Welt, so still und gut.
Der letzte, leise Schmerz und Spott
Verschwindet aus des Herzens Grund:
Es ist, als tät' der alte Gott
Mir endlich seinen Namen kund.





Entstehungsjahr: 1844
Erscheinungsjahr: 1846
Fassung: Frühe
Aus: Gedichte 1846 / Natur / Nacht V.
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 24-25.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Stille der Nacht , entstanden vor 1889
Andere Fassung: [Willkommen, klare Sommernacht] , entstanden 1844

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.