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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

[Wende dich, du kleiner Stern]

Wende dich, du kleiner Stern,
Erde! wo ich lebe,
Daß mein Aug', der Sonne fern,
Sternenwärts sich hebe.
5 Heilig ist die Sternenzeit,
Öffnet alle Grüfte,
Strahlende Unsterblichkeit
Wandelt durch die Lüfte.
Mag die Sonne nun bislang
10 Andern Zonen scheinen!
Hier fühl' ich Zusammenhang
Mit dem All' und Einen.
Hohe Lust! im dunkeln Tal,
Selber ungesehen,
15 Durch den majestät'schen Saal
Atmend mitzugehen!
Schwinge dich, o grünes Rund,
In die Morgenröte!
Scheidend rückwärts singt mein Mund
20 Jubelnde Gebete.
Lieblich diese Sonne lacht
Und der Tag wird heiter:
Doch, wer nächtlich einsam wacht,
Kennt – noch etwas weiter.





Entstehungsjahr: 1844
Erscheinungsjahr: 1846
Fassung: Frühe
Aus: Gedichte 1846 / Natur / Nacht VI.
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 25-26.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Unter Sternen , entstanden vor 1889

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.