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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

Unter Sternen

Wende dich, du kleiner Stern,
Erde! wo ich lebe,
Daß mein Aug', der Sonne fern,
Sternenwärts sich hebe!
5 Heilig ist die Sternenzeit,
Öffnet alle Grüfte;
Strahlende Unsterblichkeit
Wandelt durch die Lüfte.
Mag die Sonne nun bislang
10 Andern Zonen scheinen,
Hier fühl' ich Zusammenhang
Mit dem All' und Einen!
Hohe Lust, im dunklen Tal,
Selber ungesehen,
15 Durch den majestät'schen Saal
Atmend mitzugehen!
Schwinge dich, o grünes Rund,
In die Morgenröte!
Scheidend rückwärts singt mein Mund
20 Jubelnde Gebete!





Entstehungsjahr: vor 1889
Erscheinungsjahr: 1888
Fassung: Späte
Aus: Gesammelte Gedichte 1888 / I. Buch der Natur
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 389.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Wende dich, du kleiner Stern] , entstanden 1844

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.