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Gottfried Keller

Stille der Nacht

Willkommen, klare Sommernacht,
Die auf betauten Fluren liegt!
Gegrüßt mir, goldne Sternenpracht,
Die spielend sich im Weltraum wiegt!
5 Das Urgebirge um mich her
Ist schweigend, wie mein Nachtgebet;
Weit hinter ihm hör' ich das Meer
Im Geist und wie die Brandung geht.
Ich höre einen Flötenton,
10 Den mir die Luft von Westen bringt,
Indes herauf im Osten schon
Des Tages leise Ahnung dringt.
Ich sinne, wo in weiter Welt
Jetzt sterben mag ein Menschenkind –
15 Und ob vielleicht den Einzug hält
Das viel ersehnte Heldenkind.
Doch wie im dunklen Erdental
Ein unergründlich Schweigen ruht,
Ich fühle mich so leicht zumal
20 Und wie die Welt so still und gut.
Der letzte leise Schmerz und Spott
Verschwindet aus des Herzens Grund;
Es ist, als tät' der alte Gott
Mir endlich seinen Namen kund.





Entstehungsjahr: vor 1889
Erscheinungsjahr: 1888
Fassung: Späte
Aus: Gesammelte Gedichte 1888 / I. Buch der Natur
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 386-387.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Willkommen, klare Sommernacht] , entstanden 1844
Andere Fassung: [Willkommen, klare Sommernacht] , entstanden 1844

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.