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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

[Man merkte, daß der Wein geraten war]

Man merkte, daß der Wein geraten war:
Der alte Bettler wankte aus dem Tor,
Die Wangen glühend, wie ein Rosenflor,
Mutwillig flatterte sein Silberhaar.
5 Und vor und hinter ihm die Kinderschar
Umdrängt' ihn, wie ein Klein-Bacchantenchor,
D'raus ragte schwank der Selige empor,
Sich spiegelnd in den hundert Äuglein klar.
Am Morgen, als die Kinderlein noch schliefen,
10 Von jungen Träumen drollig angelacht,
Sah man den braunen Wald von Silber triefen.
Es war ein Reif gefallen über Nacht;
Der Alte lag erfroren in dem tiefen
Gebüsch, vom Rausch im Himmel aufgewacht.





Entstehungsjahr: vor 1889
Erscheinungsjahr: 1888
Fassung: Späte
Aus: Gesammelte Gedichte 1888 / III. Sonette / Von Kindern 1
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 458.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Man merkte, daß der Wein geraten war] , entstanden 1847

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.