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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

[Man merkte, daß der Wein geraten war]

Man merkte, daß der Wein geraten war:
Der alte Bettler wankte aus dem Tor,
Die Wangen glühend, wie ein Rosenflor,
Mutwillig flatterte sein Silberhaar.
5 Und vor und hinter ihm die Kinderschar
Umdrängte ihn, ein lauter Jubelchor,
Draus ragte schwank der Selige empor,
Sich vielfach spiegelnd in den Äuglein klar.
Am Morgen, als die Kinderlein noch schliefen,
10 Von jungen Träumen drollig angelacht,
Sah man den roten Wald von Silber triefen.
Es war ein Reif gefallen über Nacht;
Der Alte lag erfroren in dem tiefen
Gebüsch, vom Rausch im Himmel aufgewacht.





Entstehungsjahr: 1847
Erscheinungsjahr: 1851
Fassung: Frühe
Aus: Erste Auflage der Neueren Gedichte 1851 / Sonette / Von Kindern 3
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 292.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: [Man merkte, daß der Wein geraten war] , entstanden vor 1889

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.