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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

[Ich hab' in kalten Wintertagen]

Ich hab' in kalten Wintertagen,
In dunkler, hoffnungsarmer Zeit
Ganz aus dem Sinne dich geschlagen,
O Trugbild der Unsterblichkeit!
5 Nun, da der Sommer glüht und glänzet,
Nun seh' ich, daß ich wohl getan;
Ich habe nun das Herz umkränzet,
Im Grabe aber ruht der Wahn.
Ich fahre auf dem klaren Strome,
10 Er rinnt mir kühlend durch die Hand;
Ich schau' hinauf zum blauen Dome –
Und such' kein bessres Vaterland.
Nun erst versteh' ich, die da blühet,
O Lilie, deinen stillen Gruß,
15 Ich weiß, wie hell die Flamme glühet,
Daß ich gleich dir vergehen muß!





Entstehungsjahr: vor 1889
Erscheinungsjahr: 1888
Fassung: Späte
Aus: Gesammelte Gedichte 1888 / VII. Sonnwende und Entsagen
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 511.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Ich hab' in kalten Wintertagen] , entstanden 1849

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.