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Gottfried Keller

[Es wandert eine schöne Sage]

Es wandert eine schöne Sage,
Wie Veilchenduft, auf Erden um,
Wie sehnsuchtsvolle Liebesklage
In lauer Frühlingsnacht herum.
5 Das ist das Lied vom Völkerfrieden
Und von dem letzten Menschenglück,
Von goldner Zeit, die einst hienieden
In ew'ger Klahrheit kehrt zurück;
Wo einig alle Völker beten
10 Zum Einen König, Gott und Hirt:
Von jenem Tag, wo den Propheten
Ihr ehern Recht gesprochen wird.
Dann wird's nur Eine Schmach noch geben,
Nur Eine Sünde auf der Welt:
15 Das ist: das neid'ge Widerstreben,
Das es für Traum und Wahnsinn hält.
Wer jene Hoffnung gab verloren,
Und böslich sie verloren gab:
Er wäre besser ungeboren
20 Und ihm gebührt kein Menschengrab.





Entstehungsjahr: vor 1846
Erscheinungsjahr: 1846
Fassung: Frühe
Aus: Gedichte 1846 / Natur / Frühling 2
Referenzausgabe:
Kai Kaufmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 27-28.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Frühlingsglaube , entstanden vor 1889
Andere Fassung: [Es gehet eine schöne Sage] , entstanden 1844

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.