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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Gottfried Keller

Die Entschwundene

Es war ein heitres goldnes Jahr,
Nun rauscht das Laub im Sande,
Und als es noch im Knospen war,
Da ging sie noch im Lande.
5 Besehen hat sie Berg und Tal
Und uns'rer Ströme Wallen;
Es hat im jungen Sonnenstrahl
Ihr Alles wohlgefallen.
Ich weiß in meinem Vaterland
10 Noch manchen Berg, o Liebe,
Noch manches Tal, das Hand in Hand
Uns zu durchwandern bliebe.
Noch manches schöne Tal kenn' ich
Voll dunkelgrüner Eichen; –
15 O fernes Herz, besinne dich
Und gib ein leises Zeichen!
Da eilte sie voll Freundlichkeit,
Die Heimat zu erlangen –
Doch irrend ist sie all zu weit
20 Und aus der Welt gegangen.





Entstehungsjahr: nach 1865
Erscheinungsjahr: 1888
Aus: Gesammelte Gedichte 1888 / II. Erstes Lieben
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 449.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.