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Gottfried Keller

[Aber auch den Föhrenwald]

Aber auch den Föhrenwald
Lass' ich mir nicht schelten,
Wenn mein Jauchzen widerhallt
In dem sonnerhellten!
5 Heiter ist's und aufgeräumt
Und das Weh'n der Föhren,
Wenn die Luft in ihnen träumt,
Angenehm zu hören!
Schlanken Riesenkindern gleich
10 Steh'n sie da im Bunde,
Jedes erbt ein kleines Reich
Auf dem grünen Grunde.
Aber oben eng verwebt,
Eine Bürgerkrone
15 Die Genossenschaft erhebt
Stolz zum Sonnenthrone.
Schmach und Gram umfängt sie nie,
Nimmer Lebensreue;
Schnell und mutig wachsen sie
20 In des Himmels Bläue.
Wenn ein Stamm im Sturme bricht,
Halten ihn die Brüder;
Und er sinkt zur Erde nicht,
Schwebend hängt er nieder.
25 Lieg' ich so im Farrenkraut,
Schwindet jede Grille,
Und es wird das Herz mir laut
In der Föhrenstille.
Weihrauchwolken ein und aus
30 Durch die Räume wallen –
Bin ich in ein Gotteshaus
Etwan eingefallen?
Doch der Unsichtbare läßt
Lächelnd es geschehen,
35 Wenn mein wildes Kirchenfest
Hier ich will begehen!





Entstehungsjahr: 1845
Erscheinungsjahr: 1888
Fassung: Späte
Aus: Gesammelte Gedichte 1888 / I. Buch der Natur / Waldlieder 2
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 416-417.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Aber auch den Föhrenwald] , entstanden 1845

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.