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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Die Maynacht

Wenn der silberne Mond durch die Gesträuche blickt,
Und sein schlummerndes Licht über den Rasen geußt,
  Und die Nachtigall flötet,
    Wandl' ich traurig von Busch zu Busch.
5 Selig preis' ich dich dann, flötende Nachtigall,
Weil dein Weibchen mit dir wohnet in einem Nest,
  Ihrem singenden Gatten
    Tausend trauliche Küsse giebt.
Überschattet von Laub, girret ein Taubenpaar
10 Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,
  Suche dunkle Gesträuche,
    Und die einsame Thräne rinnt.
Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenroth
Durch die Seele mir strahlt, find' ich auf Erden dich?
15   Und die einsame Thräne
    Bebt mir heißer die Wang herab.





Entstehungsjahr: 1774
Erscheinungsjahr: 1775
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Walter Hettche: Ludwig Christoph Heinrich Hölty. Gesammelte Werke und Briefe. Wallstein Verlag: 1998, S. 187.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.